· 

GO HAPPY in Fier, Albanien


11.09.18 Dienstag
Der Pinzgauer schaukelt uns zielsicher in Richtung Osten. Die Straßen führen uns an weiten Grünflächen, Feldern und Dörfern vorbei.
Nach 1,5 Stunden Fahrt näherten wir uns Fier … und fuhren durch. Momentchen mal! Eigentlich wollten wir doch nahe der Stadt ankommen! Das Navi hat uns einfach 15 Minuten außerhalb von Fier glauben machen wollen, dass wir hier hin müssen. NEIN!
Nochmal die Zielkoordinaten gecheckt, an denen KuKuk-Kultur den Spielplatz bauen will. Das Problem war, dass wir nur ein Screenshot von der Karte hatten und keinen Link oder genaue Koordinaten.
Letztlich haben wir den Ort lokalisiert und das Navi aktualisiert.
Am Ziel war eine Schule (40°45´29.92“N, 19°31´50.62“E).
Gut.
Aber keine Schüler oder Lehrer und vor allem: keine KuKuk-Leute.
Schlecht.
Wir gingen das Problem auf unsere gängige Weise an: Warten. Das machten wir in einem nahe gelegenen Café bei einem Espresso. Hier hat das WLAN tatsächlich funktioniert und ich habe Bianca von Kukuk eine Nachricht geschrieben. Keine Rückmeldung.
Langsam waren wir uns unschlüssig, ob wir überhaupt richtig sind. Der Kellner meinte zu David auf dessen Frage hin, ob die Schule in Betrieb ist, das sie geschlossen ist. Die Kommunikation hat lustigerweise auf Italienisch (wieder) stattgefunden.
Gerade als wir es gar nicht mehr abwarten konnten, kam ein großer LKW vorbeigefahren und der Beifahrer schrie: „Heeeeyyy!!! GO HAPPY!!!“ Es war der Freund von Bianca, Tim.
Die KuKuk´s hatten es auch geschafft. Sie standen mit ihrem Auto vor der Schule. Wir fuhren die 100 Meter zu ihnen und begrüßten Bianca, Johannes und Tim herzlich. Die Drei wirkten recht verwundert aber glücklich uns zu sehen. Die Überraschung war uns gelungen!

Dieses Projekt in Fier sah den Spielplatzbau an einer albanischen Schule vor. Zur Unterstützung waren neben den Bauleitern und Organisatoren von KuKuk-Kultur e.V. (unserem Trägerverein by the way) sieben angehende Trockenbauer und Zimmermänner aus Hamburg mit zwei Betreuern der G19 Gewerbeschule Bautechnik Hamburg dabei.

Zunächst einmal galt es die acht Tonnen Holz vom LKW zu laden. David und ich stürzten uns ins Getümmel: David half beim Tragen der Stämme auf das Schulgelände und ich lud die Rubinenstämme vom Laster.

Ab und an hatten wir was zum staunen: vom Esel-karren, über selbst gebaute Transportfahrzeuge, bis hin zu Kindern die Auto fuhren! Auf der Straße. Ohne Erwachsene im Fahrzeug. Das war schon krass! Ein paar mal haben einen Smart mit ca. 12 Jährigen am Steuer gesehen und später auch mal einen Jungen am Steuer einer Mercesdes E-Klasse.

Mittlerweile hatten wir es 14 Uhr und um die 32° im Schatten. Die Arbeit war schweißtreibend.
Wir mussten immer wieder Pause machen, da die Straße von vielen Autos befahren wurde und wir beim Abladen eine Voll-Sperrung verursachten.
Zwischenzeitlich kamen Chris und Frank. Ersterer war mit dem Flieger gekommen und ist heute morgen noch in Stuttgart U-Bahn gefahren. Eine lustige Vorstellung für David und mich.
Nach 2 Stunden Abladen und schleppen hatten wir es geschafft.
Nun wurde der Platz besichtigt rund um die Schule, damit man Ideen entwickeln konnte.

Die Schule bietet vom Kindergarten bis hin zur 9. Klasse ca. 120 Kindern Platz. Die Kinder sind Roma und „normale“. Das Schulgebäude war Zweistöckig und ohne Wasseranschluss. Auf dem Gelände gab es noch ein Klohäußchen – auch ohne Wasser! Der Geruch dort war nicht zu beschreiben.
Auf uns wirkte das Gelände und die Gebäude recht runter gekommen, verwahrlost. Müll auf dem ganzen Platz verteilt und Scherben von kaputten Fenstern im Gras. Der Sportplatz hinter dem Hauptgebäude hatte zwei Basketballkörbe. Ohne Körbe. Das Volleyball-Feld war nur durch die rostigen Netzhalter zu erkennen. Ein Netz fehlte. Spielmöglichkeiten waren keine vorhanden.
Zudem sind Ferien und kein Schulbetrieb.

18:00 Uhr
Wir folgten den KuKuk´s und den Hamburgern zu ihrem Hotel (40°43´48.5“N, 19°33´14.16“E) in Fier. Wir fragten zusammen den Hotelbetreiber, ob wir vor dem Hotel kampieren können. Es war kein Problem.
Eigentlich standen wir direkt auf dem Bahnsteig – das Hotel ist neben dem Bus- und Bahnhof – und  hatten eine große Diesel-Lok vor uns. Um zu diesen Platz zu kommen mussten wir zunächst den gesamten Bahnhof umfahren und eine Blockade aus Steinen zur Seite räumen.

Zum Abendessen bestellten wir uns Pizza ins Hotel. Da das ganze Team das machte, dauerte es über 1,5 h bis die Ware da war. Letztlich wurde dann doch jeder satt.
Beim Gespräch am Abend haben wir von unseren Erfahrungen berichtet und den Hamburgern von uns erzählt. Der erste Eindruck der HH auf uns war: „des send coole Leut!“

Gegen 23 Uhr bauten wir unser Dachzelt auf und legten uns schlafen – mitten in der Stadt.
Nachts weckte mich ein übler Geruch. Zuerst dachte ich an auslaufendes Gas oder Sprit, aber nach Überprüfung des Fahrzeugs fand ich keine Ursache. Dann merkte ich, dass es auf dem ganzen Bahnsteig danach roch. Ich schrieb es der Lok zu.
Später die Woche wurde uns von dem Hotelbetreiber gesagt, dass der Geruch von einer nahe gelegenen Raffinerie stammt. Ein Abfallprodukt, dass einfach in die Luft geblasen wird.
Widerlich!

12.09.18 Mittwoch
7:30 Uhr Frühstück. Auf der Terrasse vor dem Hotel gab es für alle ein Buffet. Wir haben uns einfach angeschlossen.
8:30 Uhr Abfahrt zur Schule. Die KuKuk´s in ihrem Auto, die Hamburger mit einem kleinen Schulbus und wir mit dem geilsten Auto der Welt: DEM Pinzgauer.
Nach grober Planung des Spielplatzes vor Ort (wie,was,wo) gab es die Maschineneinweisung.
Der Bagger plus Fahrer ist auch schon am Start und hebt die von den Bauleitern markierten Stellen ca. 80 cm tief aus. In diese werden dann die großen Stämme aufgestellt und letztlich die Löcher mit Beton gefüllt.
Neben dem Stämme stellen, was nur mit mehreren Personen funktioniert und viel Kraft kostet, wurden die Bretter und Latten mit der Flex abgekantet. D.h. alle Längskanten wurden abgeschliffen. Dabei entsteht ein mortz Lärm (ca. 10 Flex) und es staubt!!!
Im Verlauf des Tages füllt sich der Platz immer mehr. Schüler, Einheimische und sogar der Bürgermeister von Fier haben sich zu neugierig zuschauen und Fragen stellen eingefunden.
Gegen 14:00 Uhr waren in über 20 Löchern die Balken gestellt und mit Latten abgestützt (der Beton war für 16:00 Uhr vorgesehen) und die restlichen Stämme und Bretter abgekantet.
Das verspätete Mittagessen (Sandwich und Bürek)  haben wir im Schatten hinter dem Hauptgebäude zu uns genommen.
Um 17:00 Uhr kam der Betonmischer und füllte ein Loch nach dem anderen… bis der Beton leer war! Es fehlten ca. 1,5 Kubikmeter Flüssigbeton. Bestellt waren 5 KM. Eigentlich genug für die Menge der Löcher: der Fahrer muss uns mindestens 1 KM unterschlagen haben. Das war ärgerlich, vor allem, dass wir die noch benötigten KM zahlen mussten.
Naja. Take it esay!

Auf dem zukünftigen Spielplatz waren jetzt am entstehen: eine Pyramide, ein Balance Element, eine Hütte (alles miteinander verbunden), eine Schaukel, drei Reckstangen, zwei Fußball Tore und zwei neue Volleyball-Pfosten.

Die Kinder waren sehr bewegungsfreudig. Das haben wir festgestellt, als Fiete (einer der HH) Sport mit ihnen machte. Morgen, so beschlossen wir, machen wir Zirkus!

Abends sind wir mit Chris, Bianca, Tim und Johannes essen gegangen in Fier City.
Die Nacht haben wir wieder vor dem Hotel in unserem Zelt verbracht.

13.09.18 Donnerstag
Während es auf der Baustelle das Bauen los ging, spannten wir zwei Slacklines und holten unser Zirkus-Zeug aus der Dachbox (Danke an meinen Nachbar für die geschenkte Dachbox) und machten den Vormittag über Workshops.
Die Kid´s waren sehr wild aber haben begeistert mitgemacht. Das in einer Schlange anstehen hat nicht so funktioniert, daher habe ich die Reihenfolge bestimmen müssen. Aber es hat geklappt und es gab keine Tränen.

Mittags hat der Pinzgauer als Kantine her gehalten. Wir hatten für ein Vesper eingekauft und haben mit den Messern und Brettchen aus unsere Küche das Essen hergerichtet.

Gegen 16:30 Uhr haben die Kinder, ein paar der HH Jung´s und ich die neuen Reck-Stangen getestet → sehr gut!

Zurück im Hotel haben wir den Direktor von den G19´ern kennen gelernt. Er macht sich hier ein Bild von der Lage und ist auf der Suche nach Partnerschulen.
Da den Jungs gesagt wurde, dass sie ein Zimmer für den Schulleiter räumen müssen, war nun eins frei, da sich Letzterer ein anderes besorgt hatte.
Die Jungs sind also zu uns und haben uns das freie Zimmer zur Verfügung gestellt. Wir haben dankend angenommen. Die letzten Nächte haben uns durchaus gereicht und wer würde schon ein Zimmer einem Dachzelt vorziehen?!?
Das Zimmer hat einen Balkon und man kommt über eine Leiter direkt auf das Dach. Das haben wir prompt getestet und den Ausblick genossen.
So haben wir die Nacht jeder in seinem eigenen Bett im Hotel verbracht.

14.09.18 Freitag
Nachdem wir an der Baustelle ankamen, hat sich David in die Arbeit an einer Sitzgelegenheit und ich mich aufs Ohr gestürzt. Ja. Ich hab ne Stunde geratzt!
Dann habe ich mich an die anstehenden Arbeiten am Pinzgauer gemacht. Im Verlauf der letzten Wochen haben wir einige Dinge bemerkt, die zu erledigen waren.
Bis zum Feierabend hatten ich eine Tankschlosshalterung gebaut, die Dämpfer an der großen Klappe verstärkt, den Schrank versteift, Zurrschienen aufs Dach geklebt für die Markisenhalter, die Solarpaneelen entfernt und die darunter liegenden Nieten und Fugen mit Silikon abgedichtet.

Zum Mittagessen hat der Pinzgauer wieder als Basis-Küche gedient.
Die HH Jungs waren von dem Fahrzeug und dem Fakt, dass wir ihn selber ausgebaut haben begeistert. Das Projekt im Ganzen fanden sie super!

Abendessen gab es Heute wieder im Hotel – diesmal aber hat Mutti gekocht! Uns wurden traditionelle Speisen gereicht. Zum Abrunden gab es danach einen selbst gebrannten Schnaps: Raccija.
Unser Programm für den Abend sah ein Besuch bei einer Open Stage vor, an der eine Vertikaltuchkünstlerin anscheinend performte.
Das Ganze stellte sich als Flop heraus: ein Orchester spielte vor der Uni (nicht mehr in Betrieb) und ein paar Sänger/innen sangen dazu. An sich ok, aber wenn man etwas andere erwartet eher schwierig. Dazu war der Ton schlecht abgemischt und wir waren eh in pöbel/feier Laune. Also weiter durch die City und den Touri miemen.

15.09.18 Samstag
Der Spielplatz nimmt immer weiter an Form an. Mittlerweile sind die Kinder auch mit in die Arbeiten eingestiegen und helfen wo sie können.
David hat unter dessen mit dem Bau an einer zweiten Bank begonnen und ich bin von Bauplatz zu Bauplatz gesprungen.

Dazwischen sind weitere Arbeiten am Pinzgauer erledigt worden. Expanderband an Schuhfach gebastelt → sicheres Verstauen der Schuhe nun möglich!
Seit Heute sind wir auch in Besitz eines Akkuschraubers! Durch unbekannte und verschlungene Wege hat er zu uns gefunden. Danke!

16.09.18 Sonntag
Freier Tag → kein Spielplatzbau.
Ausgeschlafen. Gefrühstückt. Mit den KuKuk´s los.
Zuerst ging es mit dem Auto in Richtung Westen die Apolonia (40°43´13.67“N, 19°28´19.31“E) besichtigen (Altgriechische Ruinen) und dann weiter ans Meer (40°42´23.33“N, 19°21´33.94“E).
Mit dem Pinzgauer ging es direkt bis auf den Strand und dann ohne direkt ins Meer. Mit einem Jonglier-Ring haben wir Frisbee gespielt und letztlich den halben Tag verplempert.
Johannes hat aus Strandgut und Muscheln Windräder gebastelt. Sehr kreativ!!!
Als wir gegen Später, ca. 18:00 Uhr, Hunger verspürten, haben wir spontan Nudeln mit Tomatensauce und Würstchen über dem Feuer gemacht. Leider war es sehr windig und wir hatten überall ein wenig Sand im Essen → X-tra würz!!! Geschmeckt hat es trotzdem.
Den Sonnenuntergang haben wir am Strand mit Lagerfeuer und Musik genossen.

Der Weg hin und zurück führte uns durch die Pampa über Schotterpisten und Feldwege → Fahr-Spaß.
Abends waren wir mega fertig von dem Chiller-Tag und sind nicht lange bei den anderen geblieben. Die Tage über hat es sich eingebürgert, dass wir auf der Terrasse vor dem Hotel  Abends ein, zwei Bierchen getrunken haben. Deutsche halt…

17.09.18 Montag
Letzter Tag auf dem Spielplatz.
David und ich haben in  einer Hau-Ruck-Aktion aus Regenrohren und ein paar Brettern noch 17 Rola-Bola´s gebastelt. Diese wurden dann auch sofort in Betrieb genommen.
Die hauptsächliche Arbeit auf dem Spielplatz bestand heute darin mit der Flex die Balken und Bretter abzuschleifen. Letzte Sägearbeiten an den senkrechten Balken wurden mit der Kettensäge vollführt (oberes Ende schräg machen, damit man nicht darauf stehen kann).
Fiete und ich haben noch ein festes Seil in die Balance-Struktur verbaut. Erster Test (Balancieren auf dem Seil) wurde mit Bravur bestanden.
Dann wurden alle Werkzeuge, Kabeltrommeln, Akkuladestationen und Sonstiges in den KuKuk-Hänger geladen (die Achse war unterwegs gebrochen und wurde direkt vor Ort geschweißt → repariert) und letzte Gruppenbilder wurden gemacht.
Das Bauteam (alle) traf sich in der nahe gelegenen Bar und stieß mit einem ordentlichen Raccija (14:00 Uhr am Mittag) an. Dabei waren der Schulleiter und andere wichtige Leute.

Zurück im Hotel haben wir zwei erst mal einen ordentlichen (2h) Mittagsschlaf gemacht.
Um 19:00 Uhr haben sich alle zu einer letzten Feedback Runde getroffen.
Im Anschluss haben wir unser Programm vorgeführt und für Begeisterung gesorgt. Als Zugabe hat David noch eine Pantomime-Nummer aus dem Ärmel geschüttelt → sehr cool!!!

Zusammen mit den Boys aus HH hingen wir ab → chillen auf dem Dach inklusive.
Da die KuKuk-Leute schon morgens um 4:00 Uhr losfahren wollten, verabschiedeten wir uns schon am Abend von ihnen. Gerade beim abendlichen Zusammensitzen erzählten sie uns noch von einem Projekt in Pogradec/Albanien, welches vor einem Jahr statt gefunden hat. Da wir vor hatten nach Mazedonien zu fahren, sollten wir dort vorbei schauen. Wir ließen es uns offen.
Es wurde wieder sehr emotional beim Verabschieden. Die Woche war sehr schön für uns und wir haben es noch einmal genossen mit Freunden Zeit zu verbringen.

18.09.18 Dienstag
Frühsport mit Raphael und Fiete vor dem Frühstück brachte den Tag ins rollen.
Auf 10:00 Uhr verließen wir das Hotel, verabschiedeten uns von den Hamburgern und stiegen in den Pinzgauer.
Los geht’s!

Wir hatten uns am Morgen entschieden nach Pogradec zu fahren (ca. 200 km) und so schrieb ich noch kurz vor der Abfahrt eine Mail an die Schule.

Ohne eine Rückmeldung abzuwarten ging es los…

… hinein in das Ungewisse

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Wolfgang (Samstag, 06 Oktober 2018 20:54)

    Holla ihr 2,

    der Spielplatz wird ja ziemlich schnell "Bespielt", wie auf dem Bild zu erkennen ist.
    Es ist erstaunlich, dass man mit übrigen Brettern und einem Regenrohr ein Rola-Bola machen kann. da haben die Kinder ein schönes Andenken an euch.
    Super, dass es mit Kukuk und euch so gut funktioniert.

    Grüsse in den Süden
    Wolfgang